Scherbenmeer.
Falls für jede nicht erfüllte Erwartung ein Glas zerspränge,
läge ich im Scherbenmeer. Ich breche meine Zelte hier ab, sehr viel früher,
aber vor allem sehr viel schmerzhafter als gedacht. Zurück nach Deutschland,
nicht in das große WG-Zimmer mit Balkon, in die neue Stadt, die darauf wartet
entdeckt zu werden, sondern in die Klinik. Ich möchte vorher meinen Freunden
tschüss sagen, sie ein noch einmal in den Arm nehmen, da ich weiß: Wir sehen
uns so schnell nicht wieder. Europa ist klein, für eben mal einen Kaffee
rumkommen, viel zu groß. Will so gerne, noch einmal, im Morgengrauen, Lieder
singend, nach Hause torkeln, ein Wochenende im Wald verbringen, ausführlich
quatschen und Zukunftswünsche austauschen. Kann das aber nicht. Die lebensmüden
Gedanken werden lauter, der kalte Griff der Depression um meinen Hals fester,
wie ich bis zum Abflug noch weiter atmen soll, weiß ich nicht. Für jede nicht
erfüllte Erwartung zerspringt ein Glas und ich liege im Scherbenmeer.